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Agnieszka Jezierska

„Das ist mein Thema: Moral! Moral! Sour!“ 
[1]

Elfriede Jelinek schreibt über Prostitution

In Elfriede Jelineks Schaffen sind Sexualität und Gewalt Leitthemen, die sie mithilfe unterschiedlicher Genres und Kunstverfahren kritisch bearbeitet: „Die Dekonstruktion der […] Mythen Liebe und Sex [prägt] das gesamte Werk Jelineks.“[2] In ihrem Schaffen beschäftigt sie ständig dieselbe Geschlechterkonstellation: „Die Rollen sind klar verteilt: die Männer sind die Täter […], die Frauen sind die Opfer“[3] mit nur wenigen Ausnahmen.[4] Es ist also kein Wunder, dass sie auf das komplexe Thema Prostitution zu sprechen kommt. Schon in ihrem feministischen Roman Die Liebhaberinnen (1975) und der damit verbundenen Erzählung Paula (1974) beäugt sie kritisch die gesellschaftlichen und ökonomischen Mechanismen, die die Frau dazu zwingen, ihren Körper zu verkaufen.
Paulas Entscheidung, sich zu prostituieren, wird als altruistisch gedeutet: „paula hat es für ihre familie gemacht.“[5] Jelinek schildert in ihrem Frühroman zwei Lebensentwürfe: einen „männlichen“, mit Kalkül durchdachten Weg von Brigitte, die die gesellschaftlichen Normen beherrscht hat, und den der Paula, die „weiblich” handelt, sich nach den Gefühlen richtet. Die zweite Lösung entpuppt sich als eine falsche. Obwohl die Erzählhaltung in Die Liebhaberinnen eine neutrale ist, wird Paula von der Erzählstimme nicht stigmatisiert oder verdammt: es scheint eher, die Erzählinstanz distanziert sich von kritischen Meinungen der empörten Gesellschaft, denunziert den Mann, der Paula auf frischer Tat ertappt hat: den LKW-Fahrer, der „ausgerechnet an der stelle [pissen wollte], wo sonst keiner je hinpißt.“[6] Er ist vermutlich ein Freier, die Schuld schiebt er aber der Frau in die Schuhe, sich selber spricht er frei von jeglicher Verantwortung.
Schon im Frühwerk Jelineks etabliert sich eine unnachgiebige Position, die auch für ihr späteres Schaffen gültig ist: Prostitution ist ein Produkt der patriarchalen Macht; der Frau wird die untergeordnete Rolle zugeschrieben und keine Verteidigungsmöglichkeit gegeben.
In ihrem Debüt-Stück Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften (1979) stellt Jelinek die Titelprotagonistin als eine Domina dar, die ihrem ehemaligen Mann ein SM-Spiel bietet, was ihr Liebhaber Weygang, ein mächtiger Mann, von ihr verlangt. Durch die Personenkonstellation – Helmar war im Ibsenschen Hypotext Noras Ehemann – wird die Ehe zum Spott; das erotische Leben der Gatten unterscheidet sich nicht von anderen sexuellen Dienstleistungen. Die Abhängigkeit der Sexualität von ökonomischen Mechanismen durchzieht Jelineks Universum:

Das Verhältnis der Geschlechter ist nur in Geld auflösbar […]. Die (Ver)Käuflichkeit des weiblichen Körpers […] stellt die Liebe, im Konzept der bürgerlichen Liebesheirat verklärt, wenn auch so nie gelebt, unter das Diktat des Prostitutiven, das Jelinek mit einer zunehmend aggressiveren pornographischen Bildsprache als Grundagens kapitalistischer Gesellschaft vorführt.[7]

Für Weygang, den Liebhaber Noras, ist der weibliche Körper ein Werkzeug unter vielen anderen, das zur Abwicklung des Geschäfts dient. Nora bezeichnet er als seinen „Sonnenschein und […] kostbarste[n] Besitz“[8], Frauen sind für ihn „leicht verderbliche Ware“, daher zählt bei ihnen „Qualität vor Quantität.“[9]. Das Kapital ist der Frau überlegen, es ist „von allergrößter Schönheit“, denn nicht einmal „Vermehrung beeinträchtigt seinen hervorragenden Wuchs.“[10] Die diskursive Verbindung von Kapital und dem weiblichen Körper/sexueller Anziehungskraft der Frau kommt auch in späteren Werken Jelineks vor. Die alternde Frau in Über Tiere stellt in einem Duktus der modernen Finanzwelt fest: „[…] mein Rating wird herabgestuft.“[11]
Die Auseinandersetzung Jelineks mit Prostitution und sexueller Gewalt ist in ihrem Frühwerk vor allem auf fiktionale Einzelfälle beschränkt, was sich mit der Zeit diametral ändert wie auch das ganze Schaffen der Nobelpreisträgerin: in ihren späteren Werken greift sie immer häufiger zu realen Begebenheiten.[12]

Amesberger, Helga / Auer, Katrin / Halbmayr, Brigitte: Sexualisierte Gewalt, Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern. Wien: Mandelbaum Verlag 2004

In diesem Beitrag werden drei Werke analysiert, bei denen aktuelle Debatten oder tatsächliche Begebenheiten als Auslöser gewirkt haben: Der Essay Das weibliche Nicht-Opfer, der als Kommentar zu einer umfangreichen Studie zur Prostitution der weiblichen Häftlinge im Dritten Reich (Sexualisierte Gewalt, Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern[13]) entstanden ist, der zweite Teil des „Textes für das Theater“ Über Tiere und die Fortsetzung dieses Stücks, die Jelinek als ihren kritischen Kommentar zu der Verrichtungsboxen-Volksabstimmung in der Schweiz konzipiert hat, die als Über Tiere III bezeichnet wird. Obwohl die drei Texte sich unmöglich zu einem Genre subsumieren lassen, kann der Essay über sexualisierte Gewalt als eine Einführung zu den späteren literarischen Werken gelesen werden.[14]
Der Beitrag über sexualisierte Gewalt in KZ-Lagern legt in systematischer Form einige Aspekte dar, die sich für die weitere Beschäftigung Jelineks mit der sexuellen Ausbeutung der Frau als grundlegend erweisen, aber in der elliptischen und metonymischen Poetik ihres Dramen-Zyklus Über Tiere nicht direkt benannt werden.


Das weibliche Nicht-Opfer

Ähnlich Murphy’s Law in all seiner gutmütigen Banalität:
Alles was passieren kann, wird passieren.[15]

Elfriede Jelinek


Im letzten Jahrzehnt analysiert Jelinek das Phänomen der Prostitution auf konsequente Art und Weise. Bahnbrechend in dieser Hinsicht war für sie die Lektüre des monumentalen Werkes Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern. In diesem Buch setzen sich die Autorinnen Helga Amesberger, Katrin Auer und Brigitte Halbmayr mit dem verschwiegenen Thema der sexualisierten Gewalt in KZ-Lagern auseinander. Sie zertrümmern viele Mythen, die um die sexuelle Arbeit, oder genauer gesagt: Sexzwangsarbeit[16], entstanden sind, u.a. den Mythos der freiwilligen Meldung, der sich für Jelinek als besonders wichtig erweist.
Im Essay Das weibliche Nicht-Opfer, das als Vorwort diesem Tabu brechenden Buch vorangestellt wurde, reflektiert Jelinek über ihre Eindrücke während der Lektüre: „[…] an meinen Empfindungen ist herumgehämmert worden, auf sie ist eingehämmert worden, ununterbrochen“[17]. Sie ist sich dessen bewusst, dass angesichts solcher Zeugnisse die (literarische) Sprache machtlos wirkt, in diesem Buch kann man „nur noch herumradieren und leere Schlieren hinterlassen, wo man gelesen hat.“[18]
Sie sucht jedoch nach passenden Ausdruckformen und scheitert, manchmal korrigiert sie ihre eigenen Aussagen:

Den Frauen im KZ wurde von der SS als erstes die Kleidung entzogen, und das war schon das letzte, was sie überhaupt hatten; meist wurden auch die Haare geschoren, danach wurde dann das Leben selbst genommen. Stripped to the bones. Wozu dieser Aufwand? Für das Nichts. Und das Wort nachkatastrophal, das ich vorhin verwendet habe, stimmt natürlich auch nicht. Es war keine Katastrophe, es war das Gegenteil: Totale Kontrolle, Totalität, totale Herrschaft.[19]

Die Grenzerfahrung der sexualisierten Gewalt, der sexuellen Ausbeutung in KZ-Lagern, wird häufig ausgeblendet, nur als Randbemerkung erwähnt.[20] Erinnerungen der vom sexuellen Missbrauch betroffenen Frauen werden aus dem Kollektivgedächtnis ausgelassen, ihre Leiden verschwiegen, ihr Opferstatus nicht anerkannt. Die zur Prostitution gezwungenen/gewählten Frauen sind aber Opfer, und das sogar im doppelten Sinne: als KZ-Gefangene und innerhalb dieser Gruppe. Nach dem Krieg werden sie des elementaren Rechts auf Sprache beraubt, sie sind gezwungen zu schweigen, ihre Erfahrungen werden tabuisiert.[21]
Die Verfasserinnen der umfangreichen Studie ziehen die Bezeichnung „sexualisierte Gewalt“ der „sexuellen Gewalt“ vor, denn der Begriff „bezieht sich sowohl auf die Dimension der direkten/personalen Gewalt als auch auf die Dimension der indirekten/strukturellen Gewalt.“[22] Das reziproke Verhältnis zwischen der personalen und der strukturellen Gewalt beschäftigt auch Elfriede Jelinek, die in ihrem Werk oft u.a. auf Ungleichheit der gesellschaftlichen Normen und ungerechte ökonomische Mechanismen hinweist.
Eine Matrix dessen, wie mit dem weiblichen Körper und Leben im Krieg umgegangen wird, findet Jelinek in der antiken Geschichte von Agamemnon, der seine leibliche Tochter Iphigenie ohne Zögern opfert, „ein Verbrechen, das sich fortpflanzen wird.“[23] „So wird die Jungfrau für guten Wind für die Heerflotte, die es eilig hat, gespendet. Ein großes Opfer der Mythengeschichte.“[24]
Schon in diesem Essay vergleicht Jelinek die Rolle der Frau mit der des Tieres: „[…] diese Frauen [Zwangsprostituierte in KZ-Lagern] wurden besonders schnell verbraucht, kaputtgemacht, getötet, ,abgeschafft‘, wie man kranke Tiere abschafft […].“[25]. Sie wurden als keine echten Opfer wahrgenommen: „[…] sogar ein Tier würde sorgfältiger geopfert werden. Man verspricht sich ja einiges von ihm.“[26]
Die einzige Funktion, die – nach Jelinek – der Frau im Krieg zukommt, ist die des Körpers: „Sie muß Körper sein oder sie darf gar nichts sein.“[27] Ein Körper, der „verwendet werden [soll] und dann weggeschmissen, wie ein schmutziges, zerknülltes Papiertaschentuch.”[28] Die hier geschilderte Konstruktion des Weiblichen kehrt in dem zweiten und dritten Teil von Über Tiere: die Frau, die nicht mehr als Körper geeignet ist, kann vernichtet werden, so im zweiten Teil: „[…] der Rest kommt auf den Sondermüll“ (ÜT, S. 34), „Es werden ihnen [den Mädchen] beide Beine gebrochen, und das ist doch das mindeste, was ihnen passiert“ (ÜT, S. 35), denjenigen Mädchen, die sich nicht unterordnen wollen, „kann man etwas machen“, dann werden sie „nie wieder arbeiten können“ (ÜT, S. 38). Die brutale Vernichtung der Frau wird in der Exorzismus-Szene gegen Ende des Textes dargestellt. Im dritten Teil wird die Frau nur auf den Körper reduziert: anstatt von sich selbst als Subjekt zu reden, sagt sie: „[…] der Körper ist noch gut, der hält noch gut ein paar Jahre.“[29]
Jelinek weist schon in diesem Text auf die ökonomischen Zusammenhänge hin: „[…] einer wie Heinrich Himmler [hat] die Zwangsarbeit und die Sexarbeit in eins gesetzt, die Zwangsarbeit profitiert von der Sexarbeit.“[30] Das äußerst lukrative Geschäft, „[s]ehr schnelles Geld“ (ÜT, S. 49) ist auch für die Zustände in Über Tiere grundlegend.
Die ethische Haltung Jelineks wird in jenen Passagen deutlich, in denen sie sich ein vorschnelles Urteil über KZ-Prostituierte zu fällen weigert. Die Frauen haben nichts zu verteidigen, nur ihr bloßes Leben. Homo sacer, der nackte Mensch, oder aber die nackte Frau lassen sich nicht mit herkömmlichen Kriterien beschreiben, geschweige denn werten. Jelinek spricht konsequent von einer „Sexarbeit, die die Frauen gezwungenermaßen leisten müssen,“[31] von „Sex-Zwangsarbeit von Frauen“[32], und bezieht diese Bezeichnungen auch auf diejenigen Frauen, die sich freiwillig meldeten,[33] „weil sie sich eine Verbesserung ihrer Lage dadurch erhofften, vor allem mehr Nahrung, vielleicht sogar die Freiheit.“[34] Gegen Ende wiederholt Jelinek noch einmal die Meinung, wonach selbst die freiwillige Meldung die Opferrolle nicht tilge:

Und selbst wenn die Frauen, die sich freiwillig für die Bordelle melden, das alles schon ahnen, sogar wissen, das Wissen aber gleich wieder verdrängen, weil die Hoffnung, diese Sadistin, sich hervorgewagt und es ihnen geraten hat, vielleicht überleben sie ja doch, nein, doch nicht, selbst wenn diese Frauen das vorher ahnen, muß ihnen, die ohnehin nichts haben und sind, dieses Nichts auch noch genommen werden. [35]

Jelinek ist zutiefst berührt von den im Buch geschilderten Fällen. Für sie ist die sexuelle Ausbeutung der Frau eine Frage der Macht: „[…] die von der SS […], [d]ie sich zu Herren gemacht hatten, waren die Schlimmsten.“[36] An dieser Konstellation ist die Verflechtung der sexualisierten Gewalt und der Macht sichtbar. Ein weiteres Thema, das auch im Über Tiere-Zyklus von Belang ist, stellt die Institutionalisierung der Sex-Arbeit dar.


Über Tiere

Das Stück Über Tiere besteht zurzeit aus drei unterschiedlichen Teilen, die nacheinander entstanden sind und nicht im Voraus als ein Ganzes konzipiert wurden. Der erste Teil erwies sich als fortsetzungsfähig: er entstand „als Auftragsarbeit für den Salzburger Abend liebe sprache klang. Don Juan Monologe (20.5.2006) der Veranstaltungsreihe dialoge, die die Internationale Stiftung Mozarteum im Mozart-Jahr 2006 organisierte.“[37]
Der zweite Teil entstand aufgrund der skandalträchtigen Abhörprotokolle einer Escort-Agentur, die Florian Klenk in Falter veröffentlicht hatte. Jelinek teilt in einem Interview mit, dass sich der zweite Teil, „faktisch selber geschrieben“ [38] hat. Das Drama in zwei Folgen, das seit 2007 als vollendet galt, wurde 2013 um einen weiteren Schweiz-spezifischen Teil, der am Schauspielhaus Zürich im Februar 2014 uraufgeführt wird, ergänzt.

Das Credo der Frau: „Ich diene, also bin ich da“[39]

Jeder der drei Teile bedient sich einer anderen Poetik und wählt einen anderen Stand- und Schwerpunkt. Der erste Teil besteht aus einem Monolog einer Frau mittleren Alters („graublond, und zwar mehr grau als blond“[40]), die ihr Liebesbekenntnis und eine Liebesklage mithilfe metaphysischer Begriffe ausspricht, das Wort „Liebe“ ständig variiert und nicht selten auf poetische Sprache zurückgreift.

Elfriede Jelinek: Über Tiere. Burgtheater Wien, Inszenierung: Ruedi Häusermann, 2007 (UA). Sylvie Rohrer

Die Kluft zwischen dem ersten und dem zweiten Teil spielt eine wichtige Rolle, die nicht unterschätzt werden sollte. Obwohl der Monolog als ein separates Werk konzipiert wurde, gewinnt er eine weitere Bedeutung mit der Fortsetzung: „Über Tiere manifestiert das hysterische Begehren nach dem Begehren in der Konfrontation von romantischem Liebesideal und käuflichem Sex.“[41]
Der zweite Teil ist also ein Pendant zu dem ersten, die weibliche Vorstellung der Liebe wird mithilfe der patriarchalischen Sprache brutal destruiert, das Metaphysische auf das Physische reduziert.


Über Tiere II

In zwei weiteren Texten, in denen das Thema Prostitution explizit in den Vordergrund rückt (Über Tiere II und III), ist wiederum die Verschmelzung von Sexualität und Macht ein wichtiger Ansatzpunkt.
Inge Arteel weist auf die Tatsache hin, dass der zweite Teil „weniger die Aufmerksamkeit auf die tatsächlichen Handlungen im Milieu der Zwangsprostitution [lenkt] als auf die dort kursierenden Diskurse der Verhandlung.“[42] Die unkritische Sprache, die Jelinek fast wie im Dokumentartheater zitiert und nur spärlich bearbeitet, vor allem durch selektives Auslassen, kontrastive Zusammensetzungen und echoartige Wiederholungen, hat eine besondere szenische Wirkung. Jelineks Verfahren weiß Christine Gaigg zu schätzen: der „Sprachfluss und geradezu Sog [, den Elfriede Jelinek] durch differente Wiederholungen generiert“, rufe einen „gleichzeitig hypnotische[n] und analytische[n] Effekt“[43] hervor.
Die Sprache der Zuhälter und Freier gerade auf der Bühne zu präsentieren, stellt eine Herausforderung für die Empfänger dar, die Bühne wird dadurch zu einer moralischen Anstalt. Durch die künstlerische Form werden nicht salonfähige Themen publik gemacht. Die Sprache der Verhandlungen klingt sehr konkret und professionell: „Sie ist Jungfrau, 100%ig“ (ÜT, S. 38). „Der Anwalt des Kunden hat […] eine Großbestellung aufgegeben“ (ÜT, S. 35). „Wir kommen aus der Sonderanfertigung“ (ÜT, S. 34). Obwohl zu Anfang und an weiteren Stellen der Eindruck entstehen kann, es gehe auch um Charaktereigenschaften, nicht nur um technische Spezifizierung, zeigt sich später, dass diese Vorahnung falsch war: „Was kostet sie und für wen interessiert der Kunde sich und wie interessant ist sie vom Charakter her? […] Sie machen fast alles, außer Griechisch. Das ist ihr Charakter“ (ÜT, S. 32), „ein hochintelligentes Mädel, Englisch, Deutsch, Französisch natur“ (ÜT, S. 39). „Aber ich buder sie in Arsch, das sag ich dir. In Arsch. Ich sage das. In Arsch. Ich sage das. Das ist mir wurscht. Buder sie, wohin du willst. Sie hat eine tolle Persönlichkeit und spricht viele Sprachen. Und sie ist menschlich in Ordnung. Sie ist in Ordnung“. (ÜT, S.24) Ähnlich in der Passage, wo eine der Frauen als „offen denkend” bezeichnet wird – „offen denkend genug für Golden Shower“ (ÜT, S. 42). Das Groteske kommt gerade durch das feindliche Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Diskurse zum Ausdruck.
Die Verharmlosungsstrategien der Popkultur, die Prostitution als eine eher attraktive vorübergehende Berufstätigkeit zeigen, persifliert Jelinek in Aussagen der Freier und Zuhälter, wie z.B.: „[…] dieses Loch gehört einem Julia Roberts-Typ.“[44] Die Erwähnung gerade dieser Schauspielerin ist nicht zufällig. Ein Meilenstein in ihrer Karriere war die Rolle einer Prostituierten (Pretty Woman 1990, Regie Garry Marshall), die dank ihres natürlichen Charmes wahre Liebe findet, mit dem „ältesten Beruf der Welt“ aufhört und im Luxus ihr Weiterleben genießt – eine moderne Variation des Aschenputtel-Motivs.[45] In Über Tiere ist von keinem männlichen Retter die Rede – im dritten Teil wird die Frau dem antiken Helden Prometheus gegenübergestellt, der von einem weiteren Helden (Herkules) befreit wird. Wenn die Frau auf das „Loch“ reduziert wird, bleibt der große Durchbruch, der erfüllte Traum der Pretty Woman aus.
Die im Stück zitierte Escort-Agentur funktioniert reibungslos in der Gesellschaft „unter dem Namen Finazkonzept“ (ÜT, S. 45), bietet sogar Rechnungen, die Kosten können von der Steuer abgesetzt werden, im Fall juristischer Schwierigkeiten wird sie von einflussreichen Freiern unterstützt: „[…] wir sind schon in Parlamentsdirektion“ (ÜT, S. 37) – behauptet eine der männlichen Stimmen.
Barbara Gronau sieht in Über Tiere Parallelen zum Konzentrationslager, insbesondere in der Variation der Buchenwald-Formel „Jedem das Seine“: „Die Entrechtung der Frauen, die im Zentrum von Über Tiere steht, scheint immer wieder um das Motiv des Lagers zu kreisen, etwa wenn in ,Jeder das Ihre‘ das Motto des KZ Buchenwald mitschwingt.“[46]


Über Tiere III – Minimundus-Siedlung am Saum der Welt

Das Lager und nicht der Staat ist das
biopolitische Paradigma des Abendlandes
[47]

Giorgio Agamben


Unbequeme Wahrheiten: Verbrechen im Rahmen des Erlaubten

Die Vernichtung der Frau hat Jelineks große Meisterin Ingeborg Bachmann thematisiert. Im Essay Der Krieg mit anderen Mitteln stellt Jelinek fest, dass Bachmann mit „radikal poetischen Mitteln das Weiterwirken des Krieges, der Folter, der Vernichtung in der Gesellschaft, in den Beziehungen zwischen Mann und Frau beschrieben hat.“[48] Eine Passage aus Der Fall Franza könnte als Motto zu Jelineks Auseinandersetzung mit Prostitution im dritten Teil von Über Tiere dienen: „[...] Die Verbrechen, die Geist verlangen, an unseren Geist rühren und weniger an unsere Sinne, also die uns am tiefsten berühren – dort fließt kein Blut, und das Gemetzel findet innerhalb des Erlaubten und der Sitten statt, innerhalb einer Gesellschaft, deren schwache Nerven vor den Bestialitäten erzittern.“[49] Das Virus Verbrechen existiert immer noch im Kreislauf der Gesellschaft, im Rahmen des Erlaubten, des juristisch Anerkannten. Die verkannten Delikte sind noch gefährlicher, die Täter bleiben unbestraft, sie werden sogar niemals als gefährlich betrachtet. Zwischen dem Bachmannschen Entwurf und Jelineks Schaffen lassen sich gewisse Affinitäten feststellen, in ihren kompromisslosen Auseinandersetzungen mit dem Thema Prostitution wird diese „Verwandtschaft“ besonders sichtbar: das Weibliche wird verdrängt und der Sprache beraubt. Die moderne „menschliche“ Lösung mit Verrichtungsboxen marginalisiert die Rolle der Frau.

Elfriede Jelinek: Über Tiere. Theater am Neumarkt Zürich, Inszenierung: Christine Gaigg, 2007

Der dritte Teil von Über Tiere knüpft formal an die zwei ersten Teile an, indem er auf jegliche Regieanweisungen sowie Rollenaufteilung verzichtet. Daher kann der Text als ein Monolog oder als eine Zusammensetzung mehrerer Monologe betrachtet werden. Eine oder mehrere Stimmen, die zu Prostituierten gehören, versuchen ihre Arbeitsbedingungen, ihre Eindrücke in Worte zu fassen. Der Stil der Aussage bleibt besonders kalt, konkret, die Sprecherin(nen) rekurriert/rekurrieren auf Probleme der Pädophilie, indem sie sagt/sagen: „[…] zumindest einer von uns beiden sollte erwachsen doch sein“[50], und auf das Problem der Immigration (die dreimonatige Frist, in der Frauen legal arbeiten können). Die geschilderten Sachverhalte wurden schon mithilfe der Zitate aus den Abhörprotokollen der Wiener Callgirl-Agentur deutlich (Mädchen aus der Ukraine, Russland, Litauen, Minderjährige und Kinder als Opfer der Zwangsprostitution). Jelinek zieht eine Parallele zwischen dem kriminellen Rotlichtmilieu aus dem zweiten Teil und der juristisch makellosen Einrichtung in der Schweiz. Die zwei Welten unterscheiden sich kaum voneinander: Frauen sollen sich dem Mann anpassen – im Essay Das weibliche Nicht-Opfer betont Jelinek, dass nur die schönsten, makellosen Frauen für die Sex-Zwangsarbeit ausgesucht wurden.[51] Im zweiten Teil nennen die Männer ihre Wünsche ohne Umschweife, hier heißt es: „[…] wir lernen, uns dem Herrentum zu fügen wie das Bier in sein Maß.“[52] „[…] wozu Weh und Ach schreien?“[53] – fragt die Stimme, sie spricht das Problem der Vergewaltigung an, indem sie auf Goethes Heidenröslein anspielt, ein Gedicht, das bekanntlich in einer verschlüsselten Form eine Vergewaltigung schildert.

Freiwillige Meldung?

Alice Schwarzer weist seit Jahren unermüdlich darauf hin, dass der geltende Diskurs zur falschen Deutung der Schuldzuschreibung führt und gesellschaftliche Umstände wesentlich beeinflusst:

In der Debatte um Prostitution macht zurzeit ein Begriff Karriere, der jegliche Kritik an dem System Prostitution von vornherein zunichte zu machen scheint: die Freiwilligkeit. Es geht dabei nicht um die Freiwilligkeit des Menschenhändlers oder Schleppers oder Zuhälters oder Bordellbetreibers – also der Sorte Mensch, deren Milliardengeschäfte auf Kosten anderer das neue Gesetz im Visier hat. Nein, es ist von der „Freiwilligkeit“ der Frauen in der Prostitution die Rede.
Ihr redet von Opfern, sagt man uns, den Kritikerinnen. Ja, wer weiß denn, ob diese Frauen überhaupt Opfer sind? Beziehungsweise ob sie nicht gerne Opfer sind! Ein praktisches Argument. Praktisch für die Täter. Denn wo keine Opfer sind, sind auch keine Täter.[54]

Auch im KZ-Lager wurde mithilfe der „freiwilligen Meldung“ die Schuld der Täter ausgeblendet oder wenigstens gemildert. „Die Rekrutierung von Frauen für die Sexzwangsarbeit innerhalb des Terrorsystems eines Konzentrationslagers als freiwillige Meldung hinzustellen, ist eine Perfidie der SS“[55] – betonen die Autorinnen der Studie Sexualisierte Gewalt. Der Mythos der Freiwilligkeit ist also eine der vielen Verharmlosungsstrategien, die durch die Verlagerung der Schwerpunkte der moralischen Wertung die Diskussion in eine andere Richtung zu lenken versuchen. Schon zu Anfang des dritten Teils versucht die Stimme den Schauplatz zu beschreiben: „Little Boxes. Eine Mini-Barackensiedlung?“[56] – was eine Anspielung auf das KZ-Lager ist.
Prostituierte aus dem dritten Teil von Über Tiere arbeiten pausenlos: „[…] die buntgewandigte Nacht müssen wir nicht herbeisehen wie ein gefesselter Held, wir machen es Tag und Nacht, uns ist Tag wie nach eins […].“[57] Die Qual des antiken Helden lässt sich mit der der Frauen nicht vergleichen, zumal der Titan „nichts arbeiten muß.“[58] („Liebe ist: nicht arbeiten müssen. Nur da sein“ (ÜT, S. 17) – sagt die alternde Frau im Anfangsmonolog).
Die weiblichen Stimmen im dritten Teil sprechen mehrmals von fehlenden Fesseln, die die Frauen keinesfalls dazu zwingen, ihren Beruf auszuüben. Es ist eine ironische Wiederholung des Arguments, Prostituierte arbeiten freiwillig, sie bestimmen selbst ihr Schicksal, können jederzeit gehen.
Gleichzeitig aber weist Jelinek auf die ökonomischen Umstände hin, die als moderne Ketten Prometheus’ fungieren, und die sich nicht abschaffen lassen. Es gibt auch keinen Retter in Sicht, keine Hoffnung auf Verbesserung.
Unterschwellig evoziert das Drama einen anderen Mythos, und zwar den des Sisyphos: genau wie der für immer und ewig verdammte Held kehren die Frauen nach der symbolischen „Auf(er)stehung“, genau nach drei Monaten, zurück: es gibt weder Erlösung noch Auferstehung.
Der gefesselte Prometheus, der tagsüber von einem Geier heimgesucht wurde, kann endlich frei sein, seine Qual ist in die Literatur eingegangen. Der namenlosen Protagonistin wird niemand helfen, sie leidet umsonst. Prometheus’ Feuer, die Gabe des Weiterdenkenden, bleibt ein Symbol der Entwicklung, des Fortschritts. Die Figur des antiken Helden steht im krassen Widerspruch zu der im Stück dargestellten Welt. Jelineks Universen, so Karin Fleischanderl, sind „hermetisch abgeschlossen, resistent gegen Veränderungen, vakuumdicht verpackt, kein Lüftchen regt sich. Es ist der Kreislauf des Ewiggleichen, der hier zelebriert wird.“[59] Die Geschichte der Frau aus der Verrichtungsbox wird keine Fortsetzung finden, die Gefangenen ohne Fesseln bewegen sich im Teufelskreis, „zum Raum wurde hier die Zeit“[60] – stellt die Stimme fest. Wenn der Körper nicht mehr „hält“, so wird er durch einen anderen ersetzt. Die Frau ist nicht einmalig. Die namenlosen Sprecherinnen sind zwar tragische Protagonistinnen, werden aber niemals als solche von der Kultur anerkannt.

Badische Zeitung, 26.8.2013

Die Marginalisierung des Straßenstrichs hat eine längere Tradition.[61] Als Jelinek ihr Stück vorbereitete, war die Verrichtungsboxensiedlung in der Schweiz noch in Planung, es funktionierte aber schon eine ähnliche Einrichtung in Köln und noch zuvor in Utrecht. In Köln gibt es „[…] neben den acht Boxen für Autofahrer […] auch zwei Fahrradboxen“[62] als Alternative zum Straßenstrich.
Auf die zwei früheren Fälle rekurriert Jelinek in ihrem Stück nicht. Das Besondere an dem Schweizer Fall ist die Tatsache, dass das Volk selbst entschieden hat (wenn auch knapp: 52,6 % der Wähler haben diese Lösung bewilligt), den Straßenstrich aus der Öffentlichkeit wegzuschaffen. Das Motiv der Volksabstimmung kommt mehrmals in dem kurzen Drama vor: „Das Volk, das allein zählt, das schon allein zählen kann, stimmte ab, […] das Volk hat bereits abgestimmt, hier stehts, das Volk stimmt, das Volk stimmt sich gegenseitig ein und dann wieder ab“[63] – variiert Jelinek in ihrer Manier das Motiv der Volksabstimmung. Die Sprecherin stellt weiter fest: „Das sind Menschen wie wir, die abgestimmt haben […]“[64] – die Grenze zwischen den Objekten der Entscheidung und denjenigen, die den Entschluss fassen, ist prekär. Die sprechende Instanz kommt auf die Wähler noch einmal zu sprechen, indem sie nach der Beziehung zwischen Volk und Tyrannei fragt: „Das Stimmvolk – Pfleger jeder Tyrannei?“[65] Das Volk, das traditionell der Tyrannei gegenüber gestellt wird, wird hier zum Werkzeug der Mächtigen. Die Entscheidungen werden nicht mehr von „Eliten“ dieser Welt direkt getroffen, von (einfluss)reichen Männern, sondern von Männern und Frauen, die die geltenden Machtmechanismen unkritisch reproduzieren.
Die Kurzprosa Begierde & Fahrerlaubnis (eine Pornographie) (1986), die ein Vorspiel zu Über Tiere bildet, trägt den Untertitel Erster Text von vielen ähnlichen. Wenn dieser Kurztext zusammen mit den drei Teilen eine Tetralogie bilden soll, dann deutet er auf ein unvollendetes Projekt hin. Die Frage, ob Jelinek vielleicht diese Serie um einen weiteren Text ergänzt, bleibt offen.

16.1.2014

Agnieszka Jezierska Studium der Germanistik und Polonistik in Warschau, Dr. phil.; wissenschaftliche Assistentin am Institut für Germanistik der Universität Warschau. Forschungsschwerpunkte: Literaturtheorie, deutsch-polnischer Literaturtransfer, Translationswissenschaften, Elfriede Jelineks Prosa. Arbeitet als Lektorin und Gutachterin für verschiedene polnische Verlagshäuser. 


Anmerkungen


[1] Jelinek, Elfriede: Babel. In: Jelinek, Elfriede: Bambiland. Babel. Zwei Theatertexte. Reinbek: Rowohlt 2004, S. 85-228, S. 139.

[2] Svandrlik, Rita: Patriarchale Strukturen. In: Janke, Pia (Hg.): Jelinek-Handbuch. Stuttgart: Metzler 2013, S. 267-271, S. 268.

[3] Schmid-Bortenschlager, Sigrid: Das Alter ist unser aller „Alter Ego“. In: Kaplan, Stefanie (Hg.): „Die Frau hat keinen Ort“. Elfriede Jelineks feministische Bezüge. Wien: Praesens Verlag 2012 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE. Publikationen des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums 9), S. 12-27, S. 13.

[4] Die Konstellation „Sowohl Täter als auch Opfer sein“, die Aufhebung der Dichotomie Schuld vs. Unschuld, die z.B. für Jelineks Babel charakteristisch ist (vgl. dazu Bloch, Natalie: Legitimierte Gewalt: zum Verhältnis von Sprache und Gewalt in Theatertexten von Elfriede Jelinek und Neil LaBute. Bielefeld: transcript verlag 2011, insbesondere das Kapitel „Sowohl-Täter-als-auch-Opfer-sein“, S. 253-258), wird in dieser Analyse ausgelassen, denn in Über Tiere kommt es kaum zur Verschiebung innerhalb der Geschlechterrollen.

[5] Jelinek, Elfriede: Die Liebhaberinnen. Reinbek: Rowohlt 2004, S. 151.

[6] Ebd., S. 153.

[7] Polt-Heinzl, Evelyne: Ökonomie. In: Janke, Pia (Hg.): Jelinek-Handbuch, S. 262-266, S. 263.

[8] Jelinek, Elfriede: Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften. In: Jelinek, Elfriede: Theaterstücke. Reinbek: Rowohlt 1999, S. 7-78, S. 31.

[9] Ebd., S. 31.

[10] Ebd., S. 33.

[11] Jelinek, Elfriede: Über Tiere. In: Jelinek, Elfriede: Die Kontrakte des Kaufmanns. Rechnitz (Der Würgeengel). Über Tiere. Drei Theaterstücke. Reinbek: Rowohlt 2009, S. 7-51, S. 28 (im Folgenden zitiert mit der Sigle ÜT).

[12] Schon in Die Ausgesperrten (1980) bearbeitet Jelinek einen Kriminalfall, aber sie literarisiert ihre Quelle. In ihrem Stück Burgtheater (1985) bezieht sie sich auf faktuale Ereignisse: die Geschichte Paula Wesselys. Mitte der 1990er Jahre schreibt sie als direkte Reaktion auf ein aktuelles Ereignis das Stück Stecken, Stab und Stangl, das eine Kritik am herrschenden Diskurs ist, der zur „Verharmlosung“ beigetragen hat. In den letzten Jahren schreibt Jelinek relativ viele Texte, die sich auf Fakten beziehen, literarische Unterlagen bilden nicht mehr den Schwerpunkt, sondern dienen als Ergänzung der künstlerischen Verfahrensweise (ein wenig anders sind die Schwerpunkte in Sekundärdramen verteilt).

[13] Vgl.: Amesberger, Helga / Auer, Katrin / Halbmayr, Brigitte: Sexualisierte Gewalt, Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern. Wien: Mandelbaum Verlag 2004.

[14] Jelineks essayistisches Schaffen kann als Ergänzung ihrer literarischen Tätigkeit betrachtet werden, auch hinsichtlich ihrer Poetik. Vgl. dazu: Degner, Ute: Die Kinder der Quoten. Zum Verhältnis von Medienkritik und Selbstmediatisierung bei Elfriede Jelinek. In: Joch, Markus u.a. (Hg.): Mediale Erregungen? Autonomie und Aufmerksamkeit im Literatur- und Kulturbetrieb der Gegenwart. Tübingen: Niemeyer 2009, S. 154-168, S. 166-167: „Denn egal, um welche Textsorte es sich handelt: alle sind im typischen ‚Jelinek-Sound‘ gehalten. Auch diejenigen Beiträge, die anlässlich tagesaktueller Anlässe verfasst […], scheren sich wenig um journalistische Usancen, sondern zeigen ein erhöhtes Maß von Literarizität à la Jelinek.“

[15] Jelinek, Elfriede: Das weibliche Nicht-Opfer. In: Amesberger, Helga / Auer, Katrin / Halbmayr, Brigitte: Sexualisierte Gewalt, S. X-XVI.

[16] Vgl.: Amesberger, Helga / Auer, Katrin / Halbmayr, Brigitte: Sexualisierte Gewalt, S. 15.

[17] Jelinek, Elfriede: Das weibliche Nicht-Opfer, S. X.

[18] Ebd., S. XII.

[19] Ebd., S. X.

[20] Vgl.: Amesberger, Helga / Auer, Katrin / Halbmayr, Brigitte: Sexualisiert Gewalt, S. 14.

[21] Vgl.: Ebd.S. 93-94.

[22] Ebd., S. 19.

[23] Jelinek, Elfriede: Das weibliche Nicht-Opfer, S. X.

[24] Ebd., S. XI.

[25] Ebd., S. XIII.

[26] Ebd., S. XV.

[27] Ebd., S. XI.

[28] Ebd., S. XI.

[29] Jelinek, Elfriede: Über Tiere III. Unveröffentlichtes Manuskript.

[30] Jelinek, Elfriede: Das weibliche Nicht-Opfer, S. XIII.

[31] Ebd., S. XIII.

[32] Ebd., S. XIV.

[33] Ebd., S. XIII.

[34] Ebd, S. XIII.

[35] Ebd., S. XV.

[36] Ebd., S. XII.

[37] ArteelInge: Theatertexte. Über Tiere. In: Janke, Pia (Hg.): Jelinek-Handbuch, S. 181-183, S. 181.

[38] Kralicek, Wolfgang / Nüchtern, Klaus: „Stolz ist mir sehr fremd“. In: Falter 18/2007.

[39] Jelinek, Elfriede: Über Tiere, S. 24.

[40] Ebd., S. 25.

[41] Weber, Elke: Die wa(h)re Frau. In: Programmheft des Deutschen Theaters Berlin zu Elfriede Jelineks Über Tiere, 2007. Bärbel Lücke beschreibt die Spannung zwischen dem ersten und zweiten Teil: „Die vom Mörike-Motiv Laβ o Welt, o laβ mich sein! […] durchzogene Liebesklage steht […] in krudem Gegensatz zur Sprache der Pornographie […]. Und doch bewirkt gerade die Verschränkung der Texte, ihre kontrapunktische Fugenkomposition, dass der Zuschauer den Schmerz und den Mangel, auch die Machtstrukturen, die dieser Beziehung zu Grunde liegen, als das ihnen Gemeinsame erkennen kann, so dass auch hier die Sphären der ,moralischen‘ Gegensätze nicht mehr nur ,rein‘ gehalten werden können.“ Lücke, Bärbel: Elfriede Jelinek. Eine Einführung in das Werk. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2008, S. 136.

[42] ArteelInge: Theatertexte. Über Tiere. In: Janke, Pia (Hg.): Jelinek-Handbuch, S. 182.

[43] Helmer, Judith / Ruhsam, Martina: Bis man sich „fast anspeibt“. Gespräch mit Christine Gaigg. http://jelinetz.com/2007/06/27/christine-gaigg-bis-man-sich-fast-anspeibt-gesprach/ (28.12.2013) (=Website des Elfriede Jelinek Forschungszentrums).

[44] Jelinek, Elfriede: Über Tiere, S. 19. Vgl. dazu: Ackel, Helen: Sprechen ohne Sein. Elfriede Jelineks Heidegger-Kritik in Über Tiere. http://jelinetz.com/2013/09/17/helen-ackel-sprechen-ohne-sein-elfriede-jelineks-heidegger-kritik-in-uber-tiere-2/ (2.01.2014): „Die Identifikation der Frau als ‚Julia Roberts-Typ‘ steht für die Standardisierung der Frau durch den männlichen Diskurs, der Frauen nicht als Individuen, sondern lediglich als Vertreter eines bestimmten konstruierten Typs zulässt.“

[45] Für Coy, Wakeling and Garner ist dieser Film „the most iconic […]“ und repräsentiere „a mythology of prostitution whereby women are saved by a rich man“. Sie bezeichnen diese Strategie als „The Glomorization of Prositution”. Coy, Maddy / Wakeling, Josephine / Garner, Maria: Selling Sex Sells: Representation of Prostitution and the Sex Industry in Sexualized Popular Culture as Symbolic Violence. In: Coy, Maddy: Prostitution, Harm and Gender Inequality. Theory, Research and Policy, London: Metropolitan University UK Ashgate 2012, S. 181-198, S. 188. In Bezug auf solche Verharmlosungsstrategien wird auch der Begriff „McSexualization“ (Ebd., S. 186) gebraucht.

[46] Gronau, Barbara: Literatur und Beunruhigung – Nachdenken über Tierehttp://www.hiebkritzeln.de/images/tiere.pdf (8.1.2014).

[47] Agamben, Giorgio: Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt am Main: Edition Suhrkamp 2002, S. 190.

[48] Jelinek, Elfriede: Der Krieg mit anderen Mitteln. Über Ingeborg Bachmann. In: Bachmann, Ingeborg: Malina. Berlin: Suhrkamp Verlag 2006, S. 397-409, S. 398.

[49] Bachmann, Ingeborg: Der Fall Franza. Unvollendeter Roman. Baden-Baden: Nomos-Verlagsgesellschaft 1983, S. 8.

[50] Jelinek, Elfriede: Über Tiere III.

[51] Vgl.: Jelinek, Elfriede: Das weibliche Nicht-Opfer, S. XIV-XV.

[52] Jelinek, Elfriede: Über Tiere III.

[53] Ebd.

[54] Schwarzer, Alice: Freiwillig? Es reicht! http://www.aliceschwarzer.de/artikel/editorial-312913 (6.1.2014), datiert mit 6.12.2013.

[55] Amesberger, Helga / Auer, Katrin / Halbmayr, Brigitte: Sexualisierte Gewalt, S. 107.

[56] Jelinek, Elfriede: Über Tiere III.

[57] Ebd.

[58] Ebd.

[59] Fleischanderl, Karin: Der Tod bin ich. Zur Literatur Elfriede Jelineks. In: Kolik 18/2002, S. 47.

[60] Jelinek, Elfriede: Über Tiere III.

[61] Vgl. dazu: Hubbard, Phil: Sexuality, Immorality and the City: red-light districts and the marginalisation of female street prostitutes. In: Matthews, Roger / O’Neill, Maggie (Hg.): Prostitution. Dartmouth: Darmouth Publishing Company 2002, S. 305-326. Bei Jelinek wird häufig die räumliche Einordnung der Prostitution und der sexuellen Ausbeutung thematisiert: der Keller, die Box, der Stadtrand oder die Verdrängung aus dem Kollektivgedächtnis – das alles sind verschiedene Marginalisierungsstrategien der zeitgenössischen Kultur.

[62] Gyr, Marcel: Der Straßenstrich auf der grünen Wiesehttp://www.nzz.ch/aktuell/startseite/der-strassenstrich-auf-der-gruenen-wiese-1.7614942 (29.12.2013), datiert mit 20.9.2010.

[63] Jelinek, Elfriede: Über Tiere III.

[64] Ebd.

[65] Ebd.

 


ZITIERWEISE
Jezierska, Agnieszka: „Das ist mein Thema: Moral! Moral! Sour!“ Elfriede Jelinek schreibt über Prostitution. https://jelinektabu.univie.ac.at/moral/prostitution/agnieszka-jezierska/ (Datum der Einsichtnahme) (= TABU: Bruch. Überschreitungen von Künstlerinnen. Interkulturelles Wissenschaftsportal der Forschungsplattform Elfriede Jelinek).


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